Die Nordsee


Die Nordsee ist ein Randmeer des Atlantischen Ozeans (German Ocean) mit einer Gesamtfläche von 575.000 qkm. Als flaches Schelfmeer ist die Nordsee im Mittel nur 94 m tief. Die maximale Tiefe beträgt 725 m in der „Norwegischen Rinne“. Die minimale Tiefe beträgt 13 m in der „Doggerbank“.

Die Begrenzungen:

Im Norden die Linie Shetland-Inseln (England) – Stattlandes (Norwegen), zur Ostsee die Linie Kap Skagen (Dänemark) – Marstrand (Schweden) und im Südwesten die Straße von Dover. Auch das Dithmarscher Küstengebiet wird durch die Nordsee geprägt, wo sich Ebbe und Flut im sechsstündigen Rhythmus ablösen, so dass innerhalb von 24 Stunden jeweils zweimal Hoch- bzw. Niedrigwasser ist. Die Gezeitenbewegungen werden durch zahlreiche im Küstengebiet aufgestellte Pegel aufgezeichnet, da sie örtlich verschieden sind. Diese Pegelmessungen sind erforderlich, da man daran auch die Sturmflutspiegelstände ablesen kann, die in den letzten Jahrhunderten immer höher aufliefen und zeitweise zu einer
Bedrohung für die hinten den Deichen siedelnden Menschen wurden.




Dabei ist der Ausdruck „Sturmfluten“ eigentlich nicht ganz korrekt, teilt man diese doch nach der Höhe über dem Mittleren Tidehochwasser (MThw) in drei Kategorien ein: In Windfluten (1,50 bis 2 Meter über MThw), Sturmfluten (2,01 bis 2,80 Meter über MThw) und Orkanfluten (mehr als 2,81 Meter über MThw). Um exakte Zahlenangaben für eine solche Einteilung zu erhalten, ist eine möglichst lange regionale Häufigkeitsstatistik nötig. Da die Höhe des mittleren Tidehochwassers über Normalnull (NN) bekannt ist, lässt sich daraus für jeden Pegelort die Höhe der verschiedenen Sturmfluten angeben. Es ist verständlich, dass die Angaben der Sturmfluten um so unpräziser sind, je weiter sie zurückliegen. So wurden vor dem Ende des 18. Jahrhunderts keine genauen Wasserstandaufzeichnungen gemacht, so dass sich meist nur deren Höhe über den Vergleichsstab Normalnull angeben lässt. Genaue Pegelmessungen liegen an vielen Orten erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts vor. Aus diesen Messungen lässt sich ein Anstieg des Mittleren Tidehochwassers von durchschnittlich 25 cm im Jahrhundert ablesen. Wie Scheitelwasserstandsmarken an vielen Orten erkennen lassen, hat dieser Anstieg wahrscheinlich schon Mitte des 16. Jahrhunderts stattgefunden. Ein Vergleich dieser alten Flutangaben mit neueren Pegelaufzeichnungen zeigt, dass die Steigerung der Sturmfluthöhen etwa 20 bis 30 cm im Jahrhundert beträgt.

 

„Nordsee, Mordsee“ – Jahrhunderthochwässer


Der heutige Verlauf der Nordseeküste wurde durch die Katastrophenfluten des 14. Jahrhunderts geprägt. Besonders gewaltig waren die Zerstörungen der Kulturlandschaft im Bereich des heutigen nordfriesischen Wattenmeers, wo in früheren Jahrhunderten weite Bereiche des Lands mitsamt Kirchen, Hofstellen und Dörfern untergingen. Als besonders dramatisch gilt die erste Mandränke von 1362, in dessen Folge weite Teile der äußeren nordfriesischen Utlande untergingen. „1362 was ene grote Flot, genahmet de grote Mandrenke.“ heißt es bei dem Kirchenschreiber Russe.



Bei der schweren Sturmflut am 16./17. Februar 1962 ging Büsum nur knapp an einer Katastrophe vorbei. Besonders im Bereich der Liegehalle richtet der Sturm schwere Schäden an.

[Foto aus „Küstenfibel“ von Peter Wieland]

 


Danach begann die Flut am 15. Januar 1362, erreichte ihren Höhepunkt am 16. und endete einen Tag später. Der Chronist Heimreich (1626 bis 1685) berichtet, dass die stürmische Westsee 4 Ellen (etwa 2,4 m) über die höchsten Deiche gegangen sei, dass die Flut 21 Deichbrüche verursachte, der Ort Rungholt zusammen mit sieben anderen Kirchspielen in der Edomsharde unterging und 7600 Menschen umkamen. Die Chronisten sprechen insgesamt von 100.000 Toten, eine Zahl, die sicherlich übertrieben ist. In einigen Küstenabschnitten Nordfrieslands drang die Flut teilweise bis zum Geestrand vor. Große Buchten entstanden und Wattströme erweiterten sich zu breiten Meeresarmen. Der heutige Verlauf der deutschen Nordseeküste ist weitgehend durch diese Sturmflut vorgezeichnet worden. Als Folge der Sturmflut wurden viele der Warften und Deiche erhöht. Eine der ersten Sturmfluten, deren Wasserstandshöhe man festhielt, war die zweite Allerheiligenflut vom 2. November 1532, die an der Kirche von Klixbüll in Nordfriesland bis zu einer Höhe von 4,16 Metern über NN auflief.



17. 2. 62 am Büsumer Deich - Sofortige Beseitigung der Schäden, bevor die nächste Flut anrollt.

[Foto aus „Büsum“, eine Chronik von Kurt Schulte]
 


Neben ihr hatten im Dithmarscher Küstengebiet die große Schadensflut von 1615, die Fastnachtsflut von 1625 und vor allem die zweite große Mandränke vom 11.Oktober 1634, in der große Teile der Marschen überflutet wurden, zerstörerische Auswirkungen. Die Flut riss die etwa 22.000 ha große Marscheninsel Alt-Nordstrand auseinander. Nur die Restinseln und Nordstrand, das hoch gelegene „Wüste Moor“ der alten Insel (heute die Hallig Nordstrandischmoor) und einige kleine Halligen blieben erhalten. In Dithmarschen kam es zur Überschwemmung der gesamten Marsch, weil „die Deiche aufs kläglichste zugerichtet und an vielen Stellen ganz weggeworfen wurden“ und „das Land so verdorben“ war, „dass es in vielen Jahren nicht wieder in den vorigen Stand kommen möge“, wie der Chronist Anton Heimreich vermerkte. Als schlimmste Katastrophenflut des 18. Jahrhunderts wirkte sich die Weihnachtsflut vom 24. Dezember 1717 aus, die in Büsum einen Höchstwasserstand von 4,60 Metern über NN erreichte und vor allem die Dithmarscher Marschen bis zu einer Höhe von 2,10 Metern überschwemmte. Bis in den Januar 1718 glich die ganze Marsch einer offenen See.



Mühsame Beseitigung von Deichschäden, hier zwischen Büsum und Büsumer Deichhausen am 15. 10. 1926, mit Schaufel, Spaten und Pferdefuhrwerk.

[Foto aus „Büsum“ , eine Chronik von Kurt Schulte]
 


Als Jahrhundertflut wird auch die Flut vom 3./4.Februar 1825 bezeichnet, welche in Tönning 3,96 Meter über MThw auflief. Weil jedoch die Deichbautechnik inzwischen wesentlich verbessert worden war, hielten sich die Schäden in Grenzen. Zu den besonders schweren Sturmfluten des 20. Jahrhunderts gehören die Hollandflut von 1953, die Hamburg-Sturmflut vom 16./17. Februar 1962 und die Jahrhundertflut vom 3. Januar 1976. Sie wurde durch einen Orkan ausgelöst, der etwa fünf Stunden andauerte und seinen Höhepunkt rund zwei Stunden vor Eintritt des Hochwasserscheitels erreichte. Da an diesem Tag Neumond und somit durch dessen Anziehungskraft auch noch Stringtide war, stauten sich die Wassermassen längs der Deiche, so dass die Fluten bis zu einer nie da gewesenen Höhe von 6,45 Metern über NN in Hamburg oder 5,16 Metern über NN in Büsum aufliefen.



Bevor der Speicherkoog mit dem neuen, höheren Deich fertig gestellt wurde, kam es am 3. Januar 1976 zu einer weiteren, schweren Sturmflut, die auch als Jahrhundertflut bezeichnet wird. Einige Deiche brachen. Hier eine Deichbruchstelle im alten Seedeich des Christianskooges in Dithmarschen. In Büsum wurde das Wasser auf eine noch nie gemessene Höhe von 5,16 m über NN aufgestaut. Insgesamt waren aber die Deiche seit 1962 soweit erhöht und verstärkt worden, dass keine Gefahr mehr bestand.

[Foto aus „Küstenfibel“ von Peter Wieland]

 


Heute bieten die 8,50 Meter hohen Deiche einen sicheren Schutz und eine Gewähr für einen erholsamen Urlaub, ob nun mit oder ohne Sturm. Ob und wann man dann nachbessern muss, wird man sicherlich in einigen Jahrzehnten sehen.
 

Quellen: Peter Wieland „Küstenfibel“, Dr. Dirk Meier und Sönke Grimm „2000 Jahre Landschaftswandel und Besiedlung der Westküste“ sowie Ellert & Richter Reiseführer Dithmarschen von Dr. Dirk Meier und Frank Thamm