Küstenvokabeln


Lahnungen




Lahnungsfelder in Hedwigenkoog
 



Mit Lahnungen werden jene Dämme aus Busch bezeichnet, die im Deichvorland dazu dienen sollen, bei ablaufendem Wasser den durch die Flut angeschwemmten Schlick festzuhalten. In der Regel sind es zwei Pfahlreihen in einem Abstand von 60 – 70 cm, die mit Busch (Faschinen) gefüllt und mit Draht verschnürt sind. Dadurch, dass sich der Schlick auf diese Weise immer höher ablagert, lässt sich neues Land aus dem Meer gewinnen. Die Lahnungen dienen also der Landgewinnung und damit letztendlich auch dem Küstenschutz.
 

Wehl / Wehle

Wehle entstanden dort, wo die Nordsee bei einer Sturmflut einen Deich durchbrach. Das über- und einströmende Wasser spülte eine „Wehle“ aus. Es entstanden tiefe Kolklöcher. In den Elbmarschen werden diese auch „Brake“ oder „Brack“ genannt. Der Grund wird tief herausgerissen und fächerförmig in das Koogland ausgespült. Wo eine Wehle entstanden war, musste der neue Deich in der Mehrzahl der Fälle um die Wehle herum neu gebaut werden. Beispiele in Dithmarschen: Hammdiekswehl, Bischofswehl in Westerdeichstrich/Stinteck, Krumwehl bei Marne.
 
 




Wehle in Friedrichsgabekoog
 


Stöpe



Deichstöpe zum Büsumer Hafenkoog
 

 


Es handelt sich um eine Öffnung in einem Mitteldeich (2. Deichlinie), im Verlauf einer Straße oder eines Weges. Sie kann durch Tore geschlossen werden. Damit soll z.B. bei einem Bruch des Seedeiches die Überschwemmung der landwärts liegenden Gebiete / Marschen verhindert oder zumindest minimiert werden, d.h. der Schaden soll auf den Koog begrenzt werden. Das Wort leitet sich ab von Stoppen, hier also den Wasserfluss durch Schließung der Deichöffnung mittels der Tore stoppen.
 

Warft / Wurt / Wurth

Es sind künstlich aufgeworfene Erdhügel in der Marsch und auf den Halligen zum Schutz gegen erhöhte Wasserstände bei Sturmfluten (meist bebaut mit Kirchen, Wohn- und Wirtschaftsgebäuden).
Warften (von aufwerfen) wurden aus Sand, Viehdung und Marschkleie gebaut als es noch keine Deiche zum Schutz gegen Sturmfluten oder Hochwasser gab. In der heutigen Zeit, wo die Deiche bis zu 8,50 Meter hoch sind, haben die Warften nur noch auf den Halligen eine Bedeutung, wenn diese nämlich überflutet werden und die Halligen Landunter melden. Während man in Nordfriesland von Warften spricht, sind es in Dithmarschen Wurthen. Beispiele: Hemmerwurth, Trennewurth, Busenwurth.
 
 





Dorfwurth mit Kirche in Wesselburen

Foto: Dr. Dirk Meier
 


Koog
in Niedersachsen = Groden
in den Niederlanden = Polder



Der Deichschluss im Speicherkoog Süd
am 20.8.1972
Foto: Peter Petersen

 

 






Als „Koog“ wird an der Westküste Schleswig-Holstein ein durch einen Deich  aus dem Marschland (ehemals Deichvorland) gewonnenes Stück Land bezeichnet, d.h. das Land zwischen dem Seedeich und dem Mitteldeich ist ein Koog. Seewärts wird ein Koog also vom neuen Deich und landeinwärts vom alten Deich begrenzt. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein wurden neue Köge aus rein wirtschaftlichen Gründen gewonnen. Es ging dabei um die Landgewinnung. Die ersten Köge wurden nach 1570 gebaut. Diese Ära endete 1954, als der Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog in Nordfriesland gebaut wurde. Seitdem wird Deichbau nur noch als Küstenschutz betrieben. Beispiele in Dithmarschen: Hedwigenkoog, Kaiser-Wilhelm-Koog, Auguste-Viktoria-Koog, Karolinenkoog, Friedrichsgabekoog.

 


Marsch

Vor etwa 2.500 Jahren entstanden die ersten Seemarschen. Marschen entstehen aus dem gezeitenbedingten Aufwuchs von Meeresablagerungen (Sedimenten) über dem Mittleren Tidehochwasser, überwiegend aus Sand und Schlick . Nach der Ansiedlung des Quellers auf dem Schlick wachsen Salzwiesen auf. Der Queller verträgt die regelmäßigen Überflutungen. Man bezeichnet den sehr fruchtbaren und tonigen Boden der Marsch als Klei. Gerade die Marschbauern galten daher zumindest in früheren Jahren als sehr wohlhabend.

 

 






Pflügende Landwirte in der Marsch bei Helse/Marne.
Foto: Günter Pump

 


Deich



Die 8,50 m hohen Deiche sind sicher.
Gleichwohl können Sturmflutkatastrophen nicht völlig ausgeschlossen werden. Unser Foto zeigt einen SeaKing-Hubschrauber bei der Katastrophenübung „Orkan 04“ im Speicherkoog.
Foto: THW Meldorf  

 


Von Menschen errichteter dammartiger Erdwall mit einer Rasenabdeckung (Sodenabdeckung) gegen das Meer. Zunächst entstanden im 12. Jh. niedrige Sommerdeiche. Diese besaßen bereits flache See- und Landseiten. Später errichtete man größere Seedeiche, die auch den winterlichen Sturmfluten standhalten sollten. Vom 15. bis 18. Jh. wurden direkt an die See grenzende Deiche mit einem hölzernen Stack befestigt. Da das Meer diese Holzkonstruktion unterhöhlte, brachen die Deiche oft. Seit dem 19. Jh. erhielten direkt an das Meer grenzende Deiche Steindossierungen. Seit Jahrhunderten mussten die an der Küste lebenden Menschen sich gegen Sturmfluten schützen. Nur durch den Zusammenschluss von Gemeinschaften und harter Arbeit - mit Schaufel und Karren - konnte neu gewonnenes Land eingedeicht und erhalten werden. Dabei gab es immer wieder herbe Rückschläge. Wer an der Küste wohnte, Landbesitz hatte und nicht beim Deichbau mithelfen wollte, musste das Land verlassen. „De nich will dieken, de mut wieken.“ war der Leitspruch hier im Westen an der Küste („Wer nicht will deichen, der muss weichen.“)

 

Gezeiten

Durch die Anziehungskraft des Mondes verursachte und regelmäßig alle 12 ½ Stunden wiederkehrende Meerespiegelschwankung (Tidehochwasser, Tideniedrigwasser), die sich bis in die Unterläufe der in das Meer mündenden Flüsse auswirkt (Ebbe und Flut). Verstärken sich die Anziehungskräfte von Sonne und Mond, kommt es zu einem großen Tidenhub (Springtide), schwächen sie sich, zu einem kleinen (Nipptide). Der Tidenhub (Höhenunterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser) ist örtlich sehr verschieden. An der deutschen Nordseeküste ist er im Innern der Deutschen Bucht am größten. Hier erreicht er 3,5 m. In Büsum beträgt das mittlere Tidehochwasser 6,63 m und das Tideniedrigwasser 3,37 m (Tidehub = 3,26 m). In Borkum beträgt er wie in Helgoland 2,4 m und in List auf Sylt nur 1,8 m. Ganz im Norden Dänemarks gehen die Schwankungen bis auf 0,5 m zurück. In Europa am größten ist der Tidenhub im Innern des Bristol-Kanals im Südwesten Englands, nämlich 14,0 m. Der größte Tidenhub auf der gesamten Erde tritt im Innern der Fundy-Bay in Neuschottland in Nordamerika auf. Er erreicht dort mindestens 18 Meter. Stark beeinflusst wird das Tidegeschehen durch den Wind. Stürme aus westlichen Richtungen (landwärts) stauen das Wasser zumeist mehrere Meter über das mittleren Tidehochwasser hinauf. Dagegen können länger anhaltende Oststürme (meerwärts) das Niedrigwasser mehrere Meter unter den mittleren Tideniedrigwasserstand drücken.
Quelle: Dr. Dirk Meier „Siedeln und Leben am Rande der Welt“ sowie Peter Wieland „Küstenfibel“
 
 






Pegelmessung im Sturmflutsperrwerk Büsum.
4,65 m Höhe (ablaufendes Wasser) wird hier
angezeigt. Bei 6,85 bis max. 7,00 m werden die
Schleusentore geschlossen, um den Hafen vor
Überflutung zu schützen



( Krabben ), Garnelen, Porren, Granat



Krabbenanladung im Büsumer Hafen.

Foto: Eugen Speyer  

 


Sie gilt als Delikatesse der Nordsee und ziert auch das Logo vom Kur und Tourismus Service ( KTS ) Büsum, die Krabbe. Dabei ist dieser Begriff eigentlich falsch, denn Krabben sind Garnelen, aber wer bestellt schon ein Garnelenbrot ? Die Nordseegarnelen ( Crangon crangon ) sind langschwänzige Zehnfußkrebse, die bis zu 8 - 9 cm lang werden. Sie sind grau, haben kleine Scheren, lange Fühler und können sich aufgrund ihrer Pigmentzellen farblich dem Wattboden anpassen. Sie vergraben sich meist flach im Sand, um sich so vor Vögeln, Fischen und jungen Robben zuschützen. Die Garnele ( Krabbe ) ist selbst aber auch ein Beutetier, das allerlei Kleingetier frisst. Die jungen Garnelen halten sich in der warmen Jahreszeit bevorzugt auf dem Wattboden entlang der Nordseeküste und in den Prielen auf. Die größeren findet man dagegen im tieferen Wasser. Sie werden mittlerweile ganzjährig gefischt und zwar in aller Regel mit dem Baumkurrennetz. Gelegentlich gehen Hobbyfischer noch mit dem Schiebehamen in den Prielen auf Krabbenfang. Jährlich werden in Deutschland ca. 10.000 t Garnelen gefischt. Wenn die Garnele ( Krabbe ) eigentlich grau ist, wieso findet man sie dann beim Verzehr rot vor ? Die Krabben werden nach dem Fang noch an Bord der Kutter im Meerwasser abgekocht. Dann sind sie auch nur noch ca. 3 cm lang und haben eine halbkreisförmige Form. Durch das Kochen an Bord erhalten sie dann auch ihre appetitliche Farbe. Übrigens nennen die Nordfriesen die Garnelen " Porren", die Ostfriesen bezeichnen sie als "Granat" und in Dithmarschen hört man in aller Regel den Begriff "Kraut", gerade im plattdeutschen. Sie schmecken aber überall, besonders wenn sie ganz frisch sind.

 
     


Mit freundlicher Unterstützung von Ernst Thies, Büsum.

Quellen: geschichte.schleswig-holstein.de

Wissenschaftliche Beratung: Privat-Dozent Dr. Dirk Meier